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Abstract
Wie die amerikanische Historikerin Joan W. Scott sagt, hat das Wort gender keine allgemeine ubergeschichtliche Geltung, sondern befindet sich wie die anderen Worter in der geschichte. Also verandert sich die bedeutung je nach den verschiedenen historischen Kentexten. Zu Beginn der Debatte in den 70er Jahren wird gender, in Abgrenzung zum biologischen Geschlecht(sex), als gesellschaftliches und kulturelles Geschlecht betrachtet. Das filft vor allem den Frauen, sich von ihrem scheinbar unveranderlichen biologische Geschlecht(sex)unverandert als Grundlage des gender gesehen wird. In den 90er Jahren stellt Judith Buthler, v.a.in"Gender Trouble"(1990), diese Konstellation auf den Kopf und weist darauf hin, daβ sex schon immer gender gewesen ist. Birgit Vanderbeke debutiert 1990 mit"Das Muschelessen". In ihren Werken lassen sich m.E.einige Gemeinsamkeiten in bezug auf den historischen Kontext der gender-Problematik bei Butler und Ubereinstimmungen mit der bisherigen gender-Diskussion finden. In"Das Muschelessen"(1990)wird die Zerstorung einer Familie behandelt, in der sich dar Vater als autoritarer Patriarch verhalt. "Eine kleine Verschiebung weg vom Normalen", namlich die Tatsache, daβ der Vater bis zum Abendessen nicht nach Hause kommt, fuhrt dazu, daβ sich seine gender/geschlechtsorientierte Familien-Vorstellung als eine Illusion entlarvt. Dieser Prozess wird von einer Ich-Erzahlerin(der Tochter)ironisch wiedergegeben. Dabei ermoglicht diesen satirischen Stil eine Zeitverschiebung von ben 70er Jahren, in denen die Geschichte wohl stattgefunden hat, zum heutigen Standpunkt der Erzahlerin. Diese Zeitverschiebung deutet hier auf Veranderungen im historischen Kontext hin. In den 70er Jahren wurde von seiten des Feminismus die geschlechtsspezifische Unterscheidung in offentlich(mannliche Domane)und privat(weibliche Domane)kritisiert, aber in dem Werk, das 1990 veroffentlicht wurde, existiert die Familie als Basis des Privaten gar nicht mehr. In einer anderen Erzahlung von Vanderbeke. "Gut genug"(1993), wird auch von einer Ich-Erzahlerin berichtet. Die Handlung spielt Mitte der 80er Jahre, und es geht um das"Kinderkriegen"und"Kinderhaben". Die Erzahlerin, die eigentlich keine Kinder wollte und sich unerwartet mit einer Schwangerschaft konfrontiert sieht, entscheidet sich dafur, das Kind auszutragen. Sie versucht moglichst direkt und sachlich ohne Mythologisierung der Mutterschaft und mit viel Humor von ihrer Schwangerschaft zu erzahlen. "Da sie ein biβchen druber Kraft hatte", entschlieβt sie sich, das Kind zu bekommen. In bezug auf das"Kinderkriegen"bilden die 70er Jahre eine Zasur. Durch die damalige Frauenbewegung wird propagiert, daβ auch der schwangere Korper der Frau gehort. Denn Frauen standen zuvor immer unter der Kontrolle der offentlichen(mannlich dominierten)Institutionen. Einerseits ist die Ich-Erzahlerin von den Frauen, die in den 70er Jahren Kinder bekommen haben, enttauscht, weil diese ihr als nicht konsequent genug erscheinen, aber andererseits nimmt sie die Resultate der Frauenbewegung als selbstverstandlich hin und versucht Mutterschaft und Mutterlichkeit nicht als etwas aufzufassen, was sui generis zur Frau als solcher gehort, sondern stattdessen das"Kinderkriegen"als reine Reproduktion zu verstehen. Das sind M.E.von der Autorin absichtlich unternommene Tabubrechungen. Wie das"Kinderkriegen"nicht immer mit der Mutterlichkeit verbunden ist, heiβt das"Kinderhaben"nicht unbedingt, eine Familie zu grunden. Die Ich-Erzahlerin mochte nicht so wie die Mutter der Generation ihrer eigenen Mutter werden, die zu irgendetwas nutze sein wollen. Die Ich-Erzahlerin macht als Mutter eines Kindes zwar ahnliche Erfahrungen wie andere Mutter, aber sie lehnt nicht nur das Konzept der Mutterlichkeit oder die Familie als solche ab, sondern sie will auch nicht von ihren Erlebnissen oder ihren Gefuhlen als Mutter abstrahieren. In dem Sinne haben sie und der Vater ihres Kindes nicht die Absicht, eine Familie zu grunden. Sie benehmen s
Journal
- Doitsu Bungaku [List of Volumes]
-
Doitsu Bungaku (105), 105-116, 2000-10-15 [Table of Contents]
Japanische Gesellschaft fur Germanistik
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